NJV-Roadtrip - Erster Halt Blau-Weiss Hollage

In den nächsten Monaten begeben wir uns auf eine kleine Erkundungstour durch die niedersächsische (Judo-)Vereinslandschaft. Ob große oder kleine Clubs, leistungs- oder breitensportorientierte Schwerpunkte, Judo für jung oder alt - viele Vereine bieten außergewöhnliche Angebote für ihre Mitglieder, die wir Euch monatlich vorstellen werden.

Ohne sie würde gar nichts laufen: Das große Hollager Judo-Trainerteam.

Die Judogruppe im alten Kellerraum beim Training - eher klein und unpraktisch.

In der neuen Trainingshalle ist genug Platz für alle - selbst für 23 frische Judoanfänger, die auf der Matte rumwuseln.

Seit 20 Jahren Tradition: Das Sommercamp der Hollager Judoka.

Unseren ersten Stopp machen wir im Bezirk Weser-Ems, genauer gesagt im Arbeitskreis Osnabrück. Dort liegt das Örtchen Hollage, das mit seinen knapp 10.000 Einwohnern der größte Ortsteil der Gemeinde Wallenhorst ist.
Bei "Hollage" horcht wahrscheinlich der ein oder andere Judoka auf - vielleicht hat man dort schon einmal selber gekämpft oder war als Coach bei den Norddeutschen Meisterschaften oder beim Hollager Pokalturnier dabei. Außerdem hat der Ort vor kurzem mit dem Neubau eines eigenen Dojos in Judokreisen für Aufsehen gesorgt.
Hinter all diesen außergewöhnlichen Judoaktivitäten steckt der Verein Blau-Weiss Hollage. Das Team der Judoabteilung leistet dort großartige Arbeit und bietet mit seinem Engagement spannende Inspirationen für andere Vereine.

Mit dem großen Trainer- und Helferteam unter Führung des Abteilungsleiters Rainer Brune kann den 180 Mitgliedern jeden Tag Judo angeboten werden. So kommen sowohl die Judolinos (vier bis sechs Jahre), Anfänger (ab sechs Jahren), Fortgeschrittene (ab acht Jahren), Wettkämpfer (U12, U15, U18 und U21) sowie die Erwachsenen in insgesamt elf Einheiten in der Woche auf ihre Kosten - ein strammes Programm für die Ehrenamtlichen!

Wie die Judo-Abteilung des BW Hollage den Hallen-Neubau, die Ausrichtung von großen Turnieren und den alltäglichen Trainingsbetrieb so erfolgreich meistert und was das Erfolgsgeheimnis der Hollager ist, fragten wir Sportwart Tim Trappe im Interview:

Tim, 2017 habt Ihr Euch einen großen Traum verwirklicht. Nach 7 Jahren Planungs-, Organisations- und Bauzeit konntet Ihr endlich Eure eigene Trainingshalle in Hollage eröffnen. Was hat sich seitdem geändert?

Die Planungs- und Umsetzungsphase umfasste den Zeitraum von 2010 bis einschließlich 2017. Ende des Jahres 2017 wurde die Halle fertig gestellt. Seitdem haben sich die Möglichkeiten im Vergleich zum vorherigen, L-förmigen und von Wänden begrenzten Kellerraum in allen Bereichen verbessert. Auf fast 400 qm Judomatte können viel intensivere aber vor allem auch Trainingsformen, die im Keller gar nicht umsetzbar waren, ausgeführt werden. Auch die Halle selbst ermöglicht die Umsetzung vieler weiterer Ideen bei unseren unterschiedlichen Freizeiten. Es ist uns außerdem gelungen unser Trainingsangebot zu erweitern und einen ansehnlichen Anlaufpunkt für den Judosport zu etablieren. So wird die Halle auch regelmäßig von verschiedenen Verbänden für die Durchführung von Lehrgängen genutzt. Selbst kleine Meisterschaften und Ligakämpfe können wir dort ausrichten, was eine erhebliche Entlastung bei der Vorbereitung bedeutet. Die Freisetzung von Kapazitäten für den Hallenbau, sorgt zudem dafür, dass neue, verschiedene Angebote wie z. B. eine Gruppe für Kleinkinder zwischen 4 und 6 Jahren geschaffen wurden.

Der Neubau der Halle hat insgesamt 820.000 Euro gekostet. Für viele Vereine ist das eine Summe, die nur schwer aufzutreiben ist und Projekte dieser Art schnell zum Scheitern verurteilen lässt. Wie habt Ihr das geschafft? Und was ist Euer Rat für andere Vereine, die ähnliche Projekte in Angriff nehmen wollen?

Uns ist es gelungen über einen langen Zeitraum von fast acht Jahren ein stetig arbeitendes Team auf die Beine zu stellen. Dies hat sich dank professioneller Vorbereitung auch von Rückschlägen nicht beirren lassen und an ihrem Ziel festgehalten. Ferner gelang es ihnen, viele weitere Vereinsmitglieder für den Hallenbau zu begeistern und zur Mitarbeit bei zahlreichen Veranstaltungen zu motivieren.
Anderen Vereinen raten wir dazu vor einem solchen Konzept auf Personen zu setzen, die tatkräftig arbeiten können und nicht nur gute Reden schwingen. Es braucht „Anpacker“ und dazu ein durchdachtes und planvolles Vorgehen, das sehr zeitaufwändig sein kann. Allein für die interne Planung haben wir uns zwei Jahre Zeit gelassen. Die intensive Vorbereitung erleichterte uns schließlich Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung argumentativ von unserem Vorhaben zu überzeugen. Unterm Strich muss man bereit sein für sein Ziel zu kämpfen und Opfer zu bringen. Eigenschaften, die im Judo sehr verbreitet sind.

Lange Zeit wart Ihr Ausrichter der Norddeutschen Meisterschaften der U18 und U21 und begeistert jährlich mit der super organisierten Ausrichtung des Hollager Pokal Turniers. Was für ein Team braucht es, um diesen Aufwand so souverän wie Ihr zu stemmen?

Wir verfügen über ein knapp zehnköpfiges Team, das überwiegend seit dem ersten Turnier im Jahr 2006 zusammenarbeitet und schon davor gemeinschaftlich Meisterschaften auf verschiedenen Ebenen ausgerichtet hat. Jeder hat seinen eigenen Arbeitsbereich, den er eigenverantwortlich organisiert. Die langjährige Erfahrung gepaart mit anhaltender Motivation der einzelnen, befreundeten Protagonisten sorgt für die guten Ausrichtungen.

Neben dem alltäglichen Trainingsbetrieb bietet Ihr auch weitere Angebote auf und neben der Matte für Eure Mitglieder an. Dazu gehört das sommerliche Judo Camp, welches Ihr 2019 zum 20. Mal für Eure Judo-Kinder organisiert habt. Worum geht’s und was ist das Besondere daran?

Das Judo Camp ist inzwischen unsere wichtigste Veranstaltung im Jahr. Es handelt sich um eine sechstägige Ferienfreizeit, die in der Hollager Haselandhalle stattfindet. Im Jahr 2000 wurde es erstmals mit der Idee durchgeführt, vor allem Kindern, die noch zu jung für die verschiedenen Zeltlager sind, eine Sommerferienfreizeit zu ermöglichen. Daher endet das Camp in den Abendstunden und die Kinder schlafen zu Hause. Lediglich am vorletzten Tag findet eine gemeinsame Hallenübernachtung statt. Inhaltlich stehen neben abwechslungsreichen Judoeinheiten auch andere Schwerpunkte auf dem Programm. In den letzten Jahren haben wir u. a. eine Trampolineinheit, Bewegungsspiele im Modus Trainer vs. Kinder und Entspannungseinheiten durchgeführt. Der Besuch eines Gasttrainers, ein gemeinsames Eltern-Kind Judo und ein großes Sommerfest für die ganze Familie gehören zum festen Bestandteil des Camps. Besonders sind das hohe Engagement der 10 bis 15 Betreuer, die tolle Unterstützung der Eltern bei der Durchführung und die Begeisterung der teilnehmenden Kinder.

Letzte Frage, um nochmal zum Judo-Alltag zurückzukehren: An fünf Tagen in der Woche bietet Ihr Training für alle Altersklassen, vom Anfänger- bis Erwachsenentraining an. Auch um den Judonachwuchs braucht Ihr Euch keine Gedanken machen – der neue Anfängerkurs startete mit 23 Interessierten. Was ist Euer Erfolgsgeheimnis? Worauf seid Ihr besonders stolz?

Besonders stolz sind wir auf die Möglichkeit, dass wir seit einigen Jahren regelmäßig Judoschnupperstunden in den örtlichen Grundschulen durchführen können. Dank der tollen Bereitschaft einiger Trainer vormittags auch mal frei zu nehmen, gelingt es uns viele Kinder im regulären Sportunterricht für Judo zu begeistern und so in den Verein zu locken.
Dank eines ordentlichen und aktuellen Auftritts in unterschiedlichen Medien gelingt es uns außerdem, eine gewisse Aufmerksamkeit auf unseren Verein zu ziehen. Darüber hinaus sind wir in der glücklichen Lage, über ausreichend Trainer zu verfügen, die genannte Kurse anbieten können.

Danke für das Interview und den inspirierenden Einblick in Eure Vereinsarbeit!

Weitere Infos über die Judoabteilung des Blau-Weiß Hollage findet Ihr auf der umfangreichen und aktuellen Website des Vereins.

Ende nächsten Monats geht es dann schon weiter auf unserer Reise querbeet durchs Land.
Wenn Ihr Empfehlungen für eine unserer nächsten Stationen habt, gebt uns Bescheid (Mail).