Mit großen Zielen – vor allem dem Spaß am Wettkampf und dem Wunsch, ihre Kata bestmöglich zu präsentieren – reisten die Judoka bereits zwei Tage zuvor in die französische Hauptstadt. Ein besonderer Ort: Hier fanden vor einem Jahr die Olympischen Spiele statt.
Wie sich bereits am ersten Wettkampftag zeigte, hatte sich die Vermutung von Martin Etter bestätigt: Alle wichtigen Kata-Paare waren am Start. Eine harte Konkurrenz – aber genau die Herausforderung, der sich unsere Athlet*innen gerne stellten.
Starke Premiere auf der WM-Bühne
"Der Einzug ins Finale ist mein Ziel. Eine Medaille wäre ein Traum", so die Worte von Laurenz Degener im Vorabgespräch zur Kata-WM. Ein sehr realistisches Ziel, das das junge Kata-Paar zu erreichen begann, als sie sich in der Vorrunde mit 357,5 Punkten als Dritte ihres Pools tatsächlich für das Finale qualifizierten.
In jedem Pool kommen die drei bestplatzierten Paare weiter, sodass später die neun besten Kata-Paare im Finale noch einmal die Chance haben, eine durch Präzision und Ausdruck geprägte Kata zu präsentieren. Nachdem bereits alle anderen Paare ihr Können im Finale unter Beweis gestellt hatten, traten Jette Buchholz und Laurenz Degener als letztes Paar auf die Tatami. Mit einer beeindruckenden Nage-no-kata überzeugten sie nicht nur das Publikum, sondern auch die Wertungsrichter*innen. Mit 329,5 Punkten verpassten sie zwar den Medaillentraum, sicherten sich aber einen verdienten 8. Platz bei ihrer allerersten Weltmeisterschaft.
Finalchance hauchdünn verpasst
Teamkolleg*innen Carolin Charina Jeromin und Martin Etter traten in der Katame-no-kata an. Mit insgesamt 32 Paaren war diese Kataform stark besetzt und die Konkurrenz entsprechend groß. Bis zuletzt blieb die Spannung hoch. Das deutsche Kata-Paar trat als Letztes in seinem Pool an. Einen Punktestand von 386 galt es zu überbieten – dies war die Wertung der Belgier, die zu diesem Zeitpunkt den dritten Platz belegten. Dieser Platz würde das Ticket für das Finale bedeuten. Nach einer tollen Darbietung von Carolin Charina und Jeromin und Martin Etter, vergaben die Wertungsrichter*innen ein letztes Mal für diesen Pool die Punkte. Mit 383,0 Punkten schrammten sie ganz knapp am dritten Platz vorbei.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickten sie auf ihre Leistung zurück:
„Wir haben unser Bestes gegeben und können stolz auf uns sein, denn die Konkurrenz war verdammt stark. Am Ende waren es nur drei Punkte – die können am Ausdruck oder an etwas anderem gelegen haben.“, so Carolin Charina Jeromin.
Auch wenn sie das Finale nicht erreichten, konnten sie ihr Ziel, unter die Top Ten zu kommen, verwirklichen. Mit ihrer hohen Punktzahl belegten sie in der Katame-no-kata den 10. Platz. Beide blicken auf einen erfolgreichen Wettkampf zurück – mit viel Spaß, wertvollen Erfahrungen und neuer Motivation für die kommenden Turniere.
Kata erleben – die Formen des Judo im Überblick
Wenn auch ihr Kata-Luft schnuppern wollt, könnt ihr euch hier einen ersten Eindruck verschaffen.
Jede Kata hat ihren eigenen Charakter und vermittelt zentrale Prinzipien des Judo – von den Grundlagen der Wurftechniken bis hin zu komplexen Anwendungen mit Waffen.
Hier findet ihr eine kompakte Übersicht über die prüfungsrelevanten Kata und einige ergänzende Formen, die euer Judo-Wissen erweitern.
I. Nage-no-kata – Die Formen des Werfens
In fünf Kategorien werden alle grundlegenden Wurftechniken vermittelt.
Uke lernt, durch korrektes Ukemi Verletzungen zu vermeiden, während Tori an Kuzushi (Gleichgewichtsbruch), Timing und Körperspannung arbeitet – für einen sicheren und präzisen Umgang mit dem Partner.
II. Katame-no-kata – Die Formen der Kontrolle
Diese Kata behandelt die Prinzipien des Bodenkampfes: Kontrolle, Bewegungslehre und Technikverständnis. Anhand typischer Situationen werden die Grundlagen von Halte-, Würge- und Hebeltechniken (Osae-, Shime- und Kansetsu-waza) erarbeitet.
III. Ju-no-kata – Die Formen der Nachgiebigkeit
Langsame, fließende Bewegungen fördern Präzision, Balance und Körperbeherrschung.
Beide Partner trainieren Distanzgefühl, Schrittlängen und Harmonie, um den Körper des Gegenübers sicher zu kontrollieren – eine Kata, die Eleganz und Technik vereint.
IV. Kime-no-kata – Die Formen der Entscheidung
Hier werden der Umgang mit traditionellen Waffen wie Dolch und Schwert sowie die Bedeutung von Atmung und Kiai eingeführt.
Im Kniesitz (Idori) und im Stand (Tachiai) lernt der Judoka, wie Präzision, Standfestigkeit und innere Ruhe zur Selbstsicherung beitragen.
V. Kodokan-goshin-jutsu – Moderne Selbstverteidigung
Diese Kata umfasst moderne Bedrohungsszenarien mit Messer, Stock und Pistole.
Alle Techniken werden im Stand ausgeführt und beinhalten Elemente aus verwandten Kampfkünsten. Die bewusste Atmung und der Kiai unterstützen dabei Technik und Entschlossenheit.
VI. Koshiki-no-kata – Die alten Formen
Diese historisch geprägte Kata vermittelt zentrale Prinzipien wie Gleichgewicht, Positionierung, Kuzushi und Körperkontrolle.
Langsame Technikpaare wechseln sich mit sieben schnellen Angriffsszenarien ab – eine vielseitige Kata, die wertvolle Grundlagen auch für Anfänger bietet.
VII. Itsutsu-no-kata – Die fünf Prinzipien
Fünf Bewegungsformen veranschaulichen das Prinzip des Gleichgewichtsbruchs und der Energieumlenkung.
Oft unterschätzt, zeigt diese Kata eindrucksvoll, dass Judo weit mehr ist als nur Technik – sie verkörpert die Essenz der Effizienz und Harmonie.
VIII. Seiryoku-zen’yō-kokumin-taiiku-no-kata – Die Kata der Effizienz
Diese Übungsreihe dient der Schulung des eigenen Körpers in Bewegung.
Während die ersten Teile der Vorbereitung und Aufwärmung dienen, vermitteln die späteren Sequenzen Techniken, die auch auf engem Raum ausgeführt werden können – stets mit Fokus auf Kontrolle und Effizienz.
Nicht prüfungsrelevant, aber wissenswert:
IX. Nage-waza-ura-no-kata – Die Konterformen
Diese von Kyūzō Mifune überlieferte Kata basiert auf den Prinzipien der Nage-no-kata, ergänzt sie aber um wirkungsvolle Kontertechniken. Sie ist ideal für Judoka, die ihr technisches Repertoire erweitern und das Verständnis für Gegentechniken vertiefen möchten.
Neben diesen bekannten Formen existieren noch zahlreiche weitere Kata, die spannende Einblicke in spezielle Aspekte des Judo geben – von historischen Anwendungen bis hin zu modernen Interpretationen, die aktuell nicht Teil des offiziellen Ausbildungsrepertoires sind.