Während der Max-Schmeling-Multikomplex in Berlin bis zu 11.900 Zuschauer fasst, ist die Fred-Marhenke-Halle im beschaulichen niedersächsischen Parsau zwar um einiges kleiner – für den Namensgeber und die Judocommunity ist der Fünf-Millionen-Bau dennoch eine Besonderheit.
Sie sei ein Zeichen der Anerkennung und des Dankes. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagte Marhenke nach der emotionalen Einweihung. Der heute 76-Jährige gehörte in den 1970er-Jahren zu den erfolgreichsten Judoka Deutschlands. Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal belegte er den fünften Platz in der Kategorie unter 80 Kilo, ein Jahr später gewann er Bronze bei den Europameisterschaften in Ludwigshafen. Für den VfL Wolfsburg holte er zudem sechs deutsche Meistertitel im Mittel- und Halbmittelgewicht. Den meisten dürfte sein Name aus dem Training bekannt sein. Denn nicht nur eine Sporthalle trägt nun seinen Titel – auch der Marhenke-Würger, eine Form des Juji-jimme, ist nach ihm benannt.
Doch nicht nur auf der Matte hinterließ Marhenke Spuren. Mehr als zwei Jahrzehnten setzte er sich für den Bau der neuen Sporthalle samt Außenbereich in Parsau ein und engagierte sich zugleich als Ratsmitglied für die SPD in der Gemeinde. „Ich war derjenige, der nie Ruhe gegeben hat“, sagt Marhenke rückblickend. Auch wenn der Weg lang war, aufgeben kam für den ehemaligen Top-Judoka nie in Frage. „Aus dem Leistungssport kenne ich es noch: Wer hinfällt, muss wieder aufstehen.“
Den Aktiven wollte er das ermöglichen, was er selbst erlebt hat: „Ich weiß, wie schön es ist Sport zu treiben“, sagt der heute 76-jährige. Die neue Sporthalle sei nicht nur eine Entlastung für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, sondern auch eine deutliche Aufwertung für die Gemeinde Parsau.
Denn bislang mussten die Kinder der Grundschule für den Sportunterricht mit Linienbussen ins knapp sechs Kilometer entfernte Rühen fahren – begleitet von zwei Lehrkräften. Eine eigene Halle gab es in Parsau nicht. Umso größer war die Erleichterung, als im April 2023 der Bau der neuen Einfeld-Sporthalle samt Ganztagsbereich begann und im vergangenen Jahr fertiggestellt wurde. Ergänzt wird das Gelände durch einen Außenbereich mit Sprunggrube und Tartanbahn.
Das Ergebnis, und auch das blaue Schild, auf dem nun sein Name prangt, „ist ein schönes Gefühl und Entschädigung für das, was man reingesteckt hat und dass man stetig drangeblieben ist.“ Dass er den Judosport immer noch im Herzen trägt, zeigt Marhenke auch heute noch: Im November wird er gemeinsam mit weiteren ehemaligen Judoka und Wegbegleitern einen Lehrgang für Nachwuchsathletinnen und -athleten anbieten.
Der Artikel ist außerdem in der Juli-Ausgabe des Judomagazins erschienen.
Foto: Hilke Bentes (Mit freundlicher Genehmigung des Isenhagener Kreisblattes (IK) in Wittingen)