Giovanna Scoccimarro holt eine von sechs DJB-Medaillen bei European Cup in Berlin

Insgesamt 117 deutsche Judoka gingen beim European Cup der Junioren in Berlin an den Start. Aus niedersächsischer Sicht stach bei diesem als Generaprobe für die im September und im Oktober stattfindenden Saisonhöhepunkte geltenden Turnier insbesondere Giovanna Scoccimarro (MTV Vorsfelde) hervor. Die in ihrem ersten Jahr bei den Juniorinnen startende Vorsfelderin konnte sich am Ende des Tages über eine der insgesamt sechs für den DJB gewonnenen Medaillen freuen. Sie erreichte Bronze. Dabei lief die Vorbereitung auf diese wichtige Standortbestimmung nicht optimal – nach einer fiebrigen Erkältung musste sie mit etwas Trainingsrückstand in den Wettkampf gehen. Dieser Umstand wertet ihre bärenstarke Tagesleistung noch auf.

Bereits in der ersten Runde wartete auf Scoccimarro mit der Belgierin Gabriella Willems (#26), Siegerin des diesjährigen European Cups von Athen, eine schwierige Aufgabe. Gleich zu Beginn ihres Wettkampftages ging es über 4:00 Minuten, ehe die 17-Jährige als Gewinnerin von der Matte gehen konnte. In Runde zwei wartete mit Urzula Hofman (#59) keine unbekannte Gegnerin: Giovanna bezwang die sich im Übergang zum Erwachsenenbereich befindende Polin bereits beim vorherigen European Cup in Breslau. Auch bei diesem Aufeinandertreffen konnte sich Scoccimarro – wiederum nach der vollen Kampfzeit – nach Strafen durchsetzen. 

Unmittelbar nach diesem Sieg wusste die Vorsfelderin noch nicht, dass das folgende Poolfinale gegen die Österreicherin Michaela Polleres ein ganz besonderer Kampf werden sollte. Polleres, Goldmedaillengewinnerin der European Cups von Tschechien und Italien sowie Zweitplatzierte des kontinentalen Turnieres von Ungarn, belegt in der Weltrangliste derzeit Rang 5 und fuhr damit als Favoritin nach Berlin. Beide Kämpferinnen schenkten sich in ihrem Viertelfinale nichts, konnten allerdings auch ihrerseits während der Kampfzeit nicht die entscheidende Wertung erzielen.So ging es in den Golden Score-Wettkampf, in dem sich beide Athletinnen wie zuvor egalisierten. Auch wenn beide Kämpferinnen alle Kräfte mobilisierten, war erst nach 9:26 Minuten (!) im Golden Score die Entscheidung gefallen. Giovanna hatte in diesem an Spannung nicht zu überbietenden Kampf knapp das Nachsehen und musste der Österreicherin, die den European Cup später auch gewann, den Vortritt lassen. 

„Es ist bemerkenswert, dass wir beide so lange durchgehalten haben“, kommentiert die NJV-Starterin den Kampf. „Wenn man sich so lange durch das Golden Score beißt, muss man auch am Ende als Siegerin dastehen. Das hat dieses Mal leider nicht ganz geklappt. Am Ende könnte den kleinen Unterschied gemacht haben, dass meine Gegnerin in der ersten Runde ein Freilos hatte“, äußert die NJV-Athletin im Gespräch mit dem NJV-Medienteam. „Der Kampf war sicher für die Zuschauer sehr spannend, aber als Kämpferin braucht man das wirklich nicht jedes Mal haben“, fügt sie mit einem Lächeln an.

Diesen Satz kann auch Landestrainer Gottfried Burucker, der die niedersächsische Delegation in Berlin zusammen mit Patrick Kuptz betreute, so unterschreiben. Er macht zusätzlich auf die nur sehr kleine Pause zwischen dem Poolfinale und dem nun folgenden Kampf in der Trostrunde aufmerksam. „Trotz des langen Kampfes konnte ich mich verhältnismäßig schnell regenerieren“, berichtet seine Wettkämpferin, die ihren ersten Kampf in der Hoffnungsrunde souverän gewinnen konnte. Gegen Rukiye Ozderem (#144) siegte sie mit Ippon. In der Begegnung um den Einzug in das kleine Finale hatte Giovanna gegen die Silbermedaillengewinnerin der Meisterschaften der Afrikanischen Judo Union anzutreten. Nichel Bouchoucha aus Tunesien (#14) musste sich der niedersächsischen Bundeskaderathletin schließlich mit Waza-ari geschlagen geben.

Ihre starke kämpferische Leistung krönte Giovanna Scoccimarro mit einem Sieg gegen die Leipziger Kämpferin Lisa Müller. Eine Yukowertung machte am Ende den Unterschied. „Auch wenn ich nahezu jeden Kampf über die volle Distanz musste, war es ein gutes Turnier“, bewertet die Vorsfelderin ihren Start in Berlin, „mit dem Ergebnis kann ich auf jeden Fall sehr zufrieden sein!“ Die Kämpferin ist froh, die positiven Eindrücke des Bundestrainers nach dem European Cup in Breslau noch einmal gefestigt zu haben. „Natürlich weiß man, dass die Nominierungen unmittelbar bevorstehen, aber während des Turniers konzentriert man sich allein auf den Wettkampf. Das ist mir gut gelungen“, erklärt die 17-Jährige, für die nach einer kurzen Pause nun die Vorbereitung auf die WM beginnt.

Siehe auch: 

http://njv.de/aktuelles/news.phpid=6710

http://njv.de/aktuelles/news.php?id=6708

Bericht: NJV-Medienteam (Christian Jelinsky)
Fotos: EJU (Falk Scherf)