Hannah Deliu startet bei der Weltmeisterschaft der U18 in Bosnien-Herzegowina

Hannah Deliu (Judo-Team Hannover) befindet sich in der heißen Vorbereitungsphase für ihren Start bei den U18-Weltmeisterschaften in Sarajevo. In der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas greift sie am Freitag, 07. August in das Wettkampfgeschehen ein. Für Deliu ist es bereits das zweite große Saison-Highlight – bereits Anfang Juli nahm sie in ihrer Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm an den Europameisterschaften in Sofia teil.

In Bulgarien überzeugte die Sportlerin mit einer starken kämpferischen Leistung und der Platzierung als Fünfte. Nachwuchsbundestrainerin Lena Göldi honorierte dieses Ergebnis mit der Nominierung zu der höchsten Meisterschaft in ihrem Altersbereich. „Nachdem wir wussten, dass die Nominierungen zur WM erst nach der EM erfolgen würden, war natürlich allen bewusst, dass man es mit einer guten Platzierung in Bulgarien zur WM schaffen könnte“, berichtet Deliu im Gespräch mit dem NJV-Medienteam und schildert ihre große Unsicherheit, ob der erreichte fünfte Platz ihr das Ticket nach Sarajevo beschert hat. „Am Abreisetag wurde uns gesagt, dass alle Nominierten noch am selben Abend informiert würden“, beschreibt die 16-Jährige die Anspannung, „den ganzen Tag habe ich gehofft, dass das Telefon klingelt! Natürlich habe ich mich mit einer Familie dann riesig gefreut als die positive Nachricht dann kam.“

Für ihren Start in Bosnien-Herzegowina möchte sie wieder Kampf für Kampf schauend das Poolfinale erreichen – ein Rezept, das schon bei der EM sehr gut funktioniert hat. In Sofia setzte sie sich in der Vorrunde jeweils vorzeitig gegen Eteri Liparteliani aus Georgien (#41) und Amra Fejzula aus Mazedonien (#121) durch. Vor den siegreichen Aktionen war die NJV-Athletin mit Yukobewertungen in Führung gegangen, was ihre Überlegenheit in diesen Kämpfen gut widerspiegelt. Im Poolfinale sah sich Hannah Deliu der Fünften der Weltrangliste, Angelika Szymanska, gegenüber. Die Polin konnte 2015 die European Cups in Bielsko Biala und Zagreb gewinnen. Hannah – derzeit auf Rang vier der Weltbestenliste – brauchte gegen Szymanska nur 29 Sekunden, um ihre Kontrahentin mit einem Harai-Goshi zu bezwingen.

Dieser Sieg bedeutet den Einzug in das Halbfinale, in welchem mit der (heutigen) Weltranglistenersten, Emilia Kanerva, ebenfalls eine sehr Kämpferin wartete. Die Starterin aus Finnland konnte sich bei der EM 2014 gegen Hannah in der zweiten Runde durchsetzen. Auch in diesem Jahr konnte die Niedersächsin den Kampf schlussendlich nicht für sich entscheiden. „Ich komme mit ihrem Kampfstil noch nicht so gut klar, aber daran wird weiter gearbeitet“, bewertet Deliu diese Niederlage und verweist auf den ähnlichen Kampfverlauf wie bei der vergangenen EM. Wie im Jahr 2014 gab nach 04:00 Minuten Kampfzeit nur die höhere Zahl an Strafen den Ausschlag. Im Kampf um den dritten Platz hatte die Hannoveranerin noch alle Chancen auf eine Medaille. Gegen ihre Gegnerin, Mariam Tchanturia aus Georgien, hatte sie erst am Anfang des Jahres beim European Cup in Antalya gewonnen.

Trotz einer bärenstarken Leistung in der ersten Hälfte des Kampfes musste sie sich am Ende mit dem fünften Platz zufrieden geben. „Der entscheidende Moment des Kampfes war die erste Wertung gegen mich“, rekapituliert die NJV-Athletin ihre Vorstellung im kleinen Finale, „aber auch danach wäre ein Sieg noch möglich gewesen. Allerdings war ich ausgerechnet in der Endphase nicht mehr so richtig im Kampf drin.“ Die 16-Jährige weiß, dass die Georgierin schlagbar gewesen ist – umso ärgerlicher ist die Niederlage für sie. „Natürlich war ich traurig, dass es nicht ganz für das Podest gereicht hat, aber das ist jetzt abgehakt“, richtet Deliu ihren Blick nach vorn, „ meine ganze Konzentration gilt jetzt der WM!“

Ihre Vorbereitung auf das zweite Saison-Highlight verlief nicht ganz reibungslos. Vom Deutsch-Französischen Lehrgang in Hennef musste sie krankheitsbedingt früher abreisen und ihren Infekt zu Hause auskurieren. Nun ist sie jedoch wieder vollständig fit und kann sich in Sarajevo nicht nur der Unterstützung der gesamten deutschen Delegation, sondern auch ihrer gesamten Familie sicher sein – sie wird Hannahs Kämpfe vor Ort live verfolgen. „Es ist toll, dass meine ganze Familie dabei ist und mich kämpfen sieht“, freut sich die Sportlerin, „ich hoffe, dass ich einen guten Tag haben werde und es weit nach vorne geht!“

Der NJV gratuliert zu der Nominierung und wünscht für den Start viel Erfolg!

Bericht: NJV-Medienteam (Christian Jelinsky)
Foto: privat