Nach der Europameisterschaft ist vor der Europameisterschaft: Nachdem die Männer und Frauen vom 25.06. bis 28.06. in Baku (Ascherbaidschan) ihre kontinentalen Champions ermittelten, kämpft die U18 am kommenden Wochenende im bulgarischen Sofia um den EM-Titel. Zur deutschen Delegation gehören mit Hannah Deliu (Judo-Team Hannover) und Thilo Assmann (Judo in Holle) auch zwei niedersächsische Starter. Jens Ahrenhold ergänzt das deutsche Team als Kampfrichter. Wir stellen die beiden Athleten vor:
Für Hannah Deliu sind es bereits die zweiten europäischen Titelkämpfe. Sie stand bereits 2014 für diesen ersten großen Saisonhöhepunkt im Aufgebot des DJB. Von dem in Griechenland erworbenen Erfahrungsschatz kann sie heute vor allem mental profitieren. „Ich fühle mich dieses Jahr deutlich entspannter“, äußert sich die 16-Jährige im Gespräch mit dem NJV-Medienteam. In ihrer Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm herrscht national wie international eine große Leistungsdichte, sodass – über das normale Lampenfieber hinaus – eine gewisse Routine den so wichtigen kleinen Unterschied machen kann. „Wenn ich mental gut dabei bin, ist auf jeden Fall eine Platzierung drin“, zeigt sich Deliu kämpferisch. „In diese Richtung haben wir in der letzten Zeit viel gearbeitet“, fügt sie an und betont die Wichtigkeit ihres ersten Kampfes. „Ihn möchte ich dieses Jahr unbedingt gewinnen“. Danach sei – von Kampf zu Kampf gesehen – alles möglich.
Grundlage für die Nominierung durch die Bundestrainer waren neben den positiven Eindrücken bei Lehrgängen und Trainingscamps insbesondere ihre gezeigten Leistungen bei den internationalen Turnieren ihrer Altersklasse. Insbesondere beim heimischen European Cup in Berlin zeigte sie eine bärenstarke Leistung. „Dort hatte ich mit meinem zweiten Platz einen richtig guten Tag“, blickt die Ex-Godshornerin zurück, „die für das Turnier spezifische Vorbereitung hat sich ausgezahlt!“
Mit drei vorzeitigen Siegen konnte sich Hannah Deliu im Sportforum Berlin-Hohenschönhausen in das Halbfinale vorkämpfen. Auf ihrem Weg dorthin ist der Sieg über Lise Keller im Poolfinale besonders erwähnenswert. Gegen die Schweizerin musste sich Hannah in diesem Jahr beim Internationalen Thüringenpokal in Bad Blankenburg und beim European Cup in Tschechien noch geschlagen geben. „Ich habe gewusst, dass ich es dieses Mal schaffen konnte und habe mich von ihren frühen zwei Wertungen, die sie gegen mich erzielt hatte, nicht aus der Ruhe bringen lassen“, erinnert sich die Hannoveranerin an den Kampf, „ich habe einfach durchgekämpft, konnte selbst einen Waza-ari erzielen und später im Boden alles klar machen.“ Nicht minder spannend verlief auch das Halbfinale gegen Vera Zemanova aus Tschechien. Nach 4:00 Minuten Kampfzeit konnte sich Hannah hier mit einem Waza-ari (ihre Gegnerin hatte nur einen Yuko auf der Anzeigetafel stehen) über den Einzug in den Endkampf freuen. Auch wenn sie diesen gegen die starke Japanerin Ryoko Takeda nicht siegreich bestreiten konnte, flossen die aus diesem Kampf gewonnenen Erkenntnisse in das weitere Training mit ein. „Eigentlich hatte ich einen guten Griff, allerdings konnte ich mit diesem nicht sehr viel anfangen, da ich zu weit weg gestanden hatte und nie richtig herankam“, analysierte die NJV-Athletin. Für die bevorstehenden Europameisterschaften – den letzten im Bereich der U18 – ist sie dank individueller Kraftpläne, verschiedener zusätzlicher Trainingsaufgaben und der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung des DJB in Hennef optimal vorbereitet.
Wir wünschen für den Start in der Individualkonkurrenz am Samstag und der Teamkonkurrenz am Sonntag viel Erfolg!
Der zweite Teil dieser Serie mit der Vorstellung Thilo Assmanns folgt. Mit Lea Püschel nimmt eine weitere niedersächsische Starterin in der kommende Woche an einem Top-Event – der Universade – teil. Auch sie stellen wir hier vor.
Bericht: NJV-Medienteam (Christian Jelinsky)
Foto: privat
Hannah Deliu und Thilo Assmann starten bei EM U18 (I)