Igor Wandtke gewinnt Bronze bei Grand Slam in Russland

Am letzten Wochenende war es endlich soweit: Igor Wandtke (Judo-Team Hannover) hat seine erste Medaille bei einem Grand Slam der IJF World Series gewonnen. Im russischen Tyumen belegte er in seiner Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm den dritten Platz. Damit kann der Wahl-Hannoveraner 200 Weltranglisten- und Olympiaqualifikationspunkte auf sein Haben-Konto verbuchen – mehr Punkte für eine Bronzemedaille gibt es nur bei den Olympischen Spielen, den Weltmeisterschaften und bei den jährlich stattfindenden Masters.

Dabei waren Igors Ausgangsbedingungen für seinen zehnten internationalen bzw. kontinentalen Start innerhalb der letzten sechs Monate alles andere als optimal. Beim letzten Grand Prix in Ulaanbaatar am Anfang dieses Monats erwischte ihn ein hartnäckiger Magen-Darm-Infekt. Er durchkreuzte schon in der Mongolei Igors Ziel einer Platzierung auf den vorderen Plätzen. Dort musste er bereits in der ersten Runde dem späteren Sieger Yinjirigala Sai aus China geschlagen geben. Auch bei einigen nachfolgenden geplanten Trainingseinheiten musste der Sportler krankheitsbedingt passen.

Entsprechend vorsichtig äußerte sich Igor im Vorfeld der zweiten hochkarätig Grand Slam-Veranstaltung in diesem Jahr. „Ich bin zwar noch nicht vollkommen fit […], [aber] mal sehen, was ich aus der Situation machen kann“, erklärte er kurz vor seinem Start in Russland, hoffte aber insgeheim auf einen ebenso starken Turniertag wie beim Grand Slam in Baku und beim Grand Prix von Budapest. In Aserbaidschan und in Ungarn belegte er jeweils einen für ihn sehr unbefriedigenden, gar frustrierenden fünften Platz. „Wenn man einen starken Tag hat und starke Gegner geschlagen hat, will man natürlich auf das Podest“, erklärte Wandtke.

Dass es beim letzten Turnier vor der Bekanntgabe der Nominierungen für die Weltmeisterschaft Ende August mit schlechteren Voraussetzungen mit einer Medaille geklappt hat, verschafft dem NJV-Athleten auch ein Stück Genugtuung. Der Podestplatz war für ihn ein wichtiger Schritt in Richtung seines Nahziels, der Teilnahme an der diesjährigen WM und seines Fernziels, der Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. „Jeder Start brachte mehr und mehr Routine mit sich. Vom Kopf her bin sehr stark“, zog Wandtke vor der nun folgenden kurzen Wettkampfpause Bilanz.

Seinen Auftaktkampf hatte der derzeit auf Weltranglistenrang 25 liegende Sportler vom Olympiastützpunkt Hannover gegen den Italiener Marco Maddaloni aus Italien (#51) zu bestreiten – ein Kampf, den Igor nicht wie so oft über die vollen 05:00 Minuten bestreiten musste, sondern nach 01:30 Minuten für sich im Boden entscheiden konnte. Den Einzug in das Poolfinale erreichte er über einen Sieg gegen Martin Thiblin (#142). Den Norweger besiegte der Athlet schon mit Shidos klar in Führung liegend mit einem Haltegriff zum Ende der regulären Kampfzeit.
Im Poolfinale wartete mit dem Weltmeister von 2010, dem Japaner Hiroyuk Akimoto, eine Herkulesaufgabe. Der 19. der Weltrangliste konnte bei Turnieren der IFJ World Series zuletzt 18 Kämpfe in Folge gewinnen und ist Titelverteidiger des Grand Slams von Tokio. Akimoto ging allerdings, wie Wandtke auch, angeschlagen in den Kampf. „Auch wenn ich es nicht geschafft habe, ihn zu werfen, habe ich mich durchgebissen. Ich habe ihn nicht an mich herangelassen und ihn passiv aussehen lassen“, analysiert der Hannoveraner den Kampf, den er nach 05:00 Minuten mit 1:2 Shidos für sich entscheiden konnte.

Die kraftraubende Begegnung hatte allerdings Auswirkungen auf sein zeitnah folgendes Halbfinale gegen den Guillaume Chaine (#31) aus Frankreich. „Nach dem Kampf konnte ich mich kaum auf den Beinen halten. Ich hätte mindestens zwei Stunden Pause benötigt, um mich halbwegs zu regenerieren. Diese Zeit hatte ich leider nicht“, kommentiert Igor das überstandene Viertelfinale und fuhr fort: „Wenn ich körperlich fit gewesen wäre, hätte das Halbfinale vielleicht auch anders ausgesehen.“

Den Kampf um den Einzug in das Finale musste Igor gegen seinen Dauerkontrahenten Chaine – die beiden trafen 2015 schon zwei Mal aufeinander, beide Kämpfer konnten sich jeweils einmal durchsetzen – mit zwei Waza-aris verloren geben. So ging es im kleinen Finale um den Gewinn einer Medaille. Auch sein dortiger Gegner, war für Wandtke kein Unbekannter: Auch in der Trostrunde der European Open in Rom am Anfang des Jahres hieß sein Gegenüber Arthur Margelidon. Der auf Weltranglistenplatz 31 liegende Kanadier, Drittplatzierter der diesjährigen Panamerikanischen Meisterschaften, lieferte sich mit dem NJV-Athleten ein ausgeglichenes Duell, welches durch zwei Strafen in der zweiten Hälfte des Kampfes zugunsten des Deutschen entschieden wurde. „Für einen vorzeitigen Sieg fehlte die Kraft, aber zum Ende hin konnte ich ihn niederkämpfen“, lautete Igors Fazit zu diesem Kampf. Nicht zuletzt hat sich die akribische, individuelle Vorbereitung auf jeden Gegner wieder einmal ausgezahlt.

In Westsibirien waren aus niedersächsischer Sicht auch Dimitri Peters (Judo-Team Hannover) und André Breitbarth (SFV Europa Braunschweig) am Start. Für André zeigt die Formkurve wieder nach oben. Im Schwergewicht verpasste er das Treppchen als Fünfter nur knapp. Seine zwei vorzeitigen Siege gegen den Rashed Zaidan aus Saudi-Arabien (#149) und seinen deutschen Konkurrenten Sven Heinle (#25) dürften dabei mit Blick auf die bevorstehende WM für ein Zuwachs an Selbstbewusstsein sorgen. „Der echte Durchbruch ist nur noch eine Frage der Zeit“, hieß es aus dem NJV-Umfeld. Für den Moment kann sich Breitbarth über 100 gewonnene Weltranglisten- und Olympiaqualifikationspunkte freuen. In der Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm war Dimitri Peters bei diesem Grand Slam bereits nach dem ersten Kampf zum Zuschauen verdammt. Gegen den Lokalmatador Mikhail Kosyashnikov (#51) konnte er einen Shidorückstand nicht egalisieren und war damit ausgeschieden. 

Bericht: NJV-Medienteam (Christian Jelinsky)
Foto: IJF