2x 100 Qualifikationspunkte auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro für Igor Wandtke! Der aus Lübeck stammende Athlet vom Judo-Team Hannover erkämpfte sich bei den European Open im rumänischen Cluj Napoca die Goldmedaille. Bereits drei Wochen zuvor setzte er sich in der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm im Rahmen des Grand Slam in Baku (Aserbaidschan) mit Platz 5 sehr gut in Szene.
Igor Wandtke hat seine im Vorfeld der European Open ausgegebene Zielsetzung – den Gewinn einer Medaille – bestmöglich realisiert. In einem Teilnehmerfeld von 34 Judoka setzte sich der Sportler in fünf Kämpfen jeweils durch und krönte seine starke Performance mit seinem ersten Turniersieg auf der European Tour. Es ist nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei den European Open in Rom die zweite Podestplatzierung in diesem Jahr. 2013 siegte Igor bereits beim Grand Slam in Qingdao (China).
Dabei begann der Tag für den 24-Jährigen holprig. Im Auftaktkampf gegen Bayram Ceylan aus der Türkei stand Igor durch Strafen und eine Yukowertung in Rückstand liegend schon mit dem Rücken zur Wand, bevor er nach rund vier Minuten die Begegnung doch noch vorzeitig für sich entschied. In der Folge fand der NJV-Athlet immer besser in den Wettbewerb: „Nach und nach kam ich besser in das Turnier und konnte die konditionelle Erschöpfung mit konsequenter Taktik ausgleichen“, rekapitulierte der Fünfte der Setzliste. In seinem nächsten Kampf gegen den Newcomer Niko Sadzhaia (Ukraine) konnte er sich unter anderem mit zwei Yuko führend ebenfalls in der letzten Minute mit Ippon durchsetzen.
Im folgenden Poolfinale gegen den Russen Mikhail Nanii ging es für Igor über die volle Distanz von fünf Minuten. Schlussendlich konnte der Wahl-Hannoveraner sich mit einer Waza-ari-Wertung durchsetzen und das Erreichen des Halbfinales bejubeln. Dieses hatte er gegen den erfahrenen Franzosen Guillaume Chaine zu bestreiten. In einem taktisch geführten Kampf behielt der Norddeutsche nach Strafen die Oberhand und stand damit im Finale gegen Dmytro Kanivets. Dort sah es, so berichtete Igor, ähnlich wie in seinem ersten Kampf, zunächst nicht gut aus: Er geriet mit zwei Strafen in Rückstand. Im letzten Viertel des Kampfes gelang es ihm jedoch, mit seinem Uchi-mata einen Waza-ari zu erzielen und diesen anschließend über die verbliebene Zeit retten. „Das war ein ordentliches Stückchen Arbeit, das letztendlich zu diesem Triumph geführt hat“, bilanzierte der Sportler den Tag in Cluj Napoca.
Mit seinem Sieg bei diesen European Open und der Gutschrift von 100 Punkten auf sein Weltranglistenkonto verbesserte sich der Athlet um 10 Plätze auf Rang 36 und liegt damit derzeit vor seinem deutschen Teamkollegen Christopher Völk aus Abensberg. Am kommenden Wochenende geht Igors Punktejagd bei den Minsker European Open in eine neue Runde.
Bereits drei Wochen zuvor erkämpfte sich Igor ebenfalls 100 Weltranglistenzähler: Beim ersten Grand Slam des Jahres in Baku zeigte sich Wandtke von seiner besten Seite und zog mit drei Siegen in das Halbfinale ein. Auf seinem Weg dorthin besiegte er in seinem zweiten Kampf nach nur 33 Sekunden den Zweiten der Weltrangliste, Denis Iartcev aus Russland. Im Poolfinale schaltete er den Vierten dieser Bestenliste, den Georgier Nugzari Tatalasvili, ebenfalls vorzeitig aus. Sein Seoi-nage schaffte es in eine informelle Rangliste der 10 spektakulärsten Ippons dieser Veranstaltung. Ebenso kam der Grieche Georgios Azoidis an Igor in der Vorrunde nicht vorbei und verlor vorzeitig.
Auch wenn Igor seine starke Leistung am Ende nicht in Edelmetall gießen konnte – gegen den späteren Sieger verlor er im Halbfinale knapp nach Strafen und auch im Kampf um Platz 3 musste er sich nach einem taktischen Fehler geschlagen geben – war der NJV-Olympiaaspirant mit seinem Wettkampf mehr als zufrieden: „Trotz der verpassten Medaille war es ein sehr guter Tag und ein tolles und wichtiges Ergebnis in Hinblick auf die Olympiaqualifikation.“
Die anderen beiden Mitglieder des „Teams Hannover“, Dimitri Peters (Judo-Team Hannover, bis 100 Kilogramm) und André Breitbarth (SFV Europa Braunschweig, über 100 Kilogramm) waren in Aserbaidschan nicht am Start. Sie kämpften stattdessen eine Woche später bei den Masters in Marokko. Bei dieser Veranstaltung, die beide Judoka als Generalprobe für die Ende des Monats stattfindenden Europameisterschaften nutzten, waren jeweils nur die besten 16 der Weltrangliste startberechtigt. Insofern hatte jeder der Kämpfe – wie auch bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen – einen Finalcharakter. Während sich André in seinem Auftaktkampf dem letztjährigen Weltmeisterschaftsdritten, Renat Saidov aus Russland, geschlagen geben musste, verlor Dima gegen den späteren Drittplatzierten, den Ägypter Ramadan Darwish. Beide Kämpfer schieden damit schon früh aus dem Turnier aus und starten nun in die unmittelbare EM-Vorbereitung.
Viel Erfolg allen drei Athleten für die kommenden Herausforderungen!
Bericht: NJV-Medienteam (Christian Jelinsky)
Fotos: [oben]: privat; [1]-[2]: EJU (Daniel Oprescu)