Mit sieben Medaillen und zahlreichen weiteren Platzierungen sind die NJV-Athleten von den Deutschen Meisterschaften der U18 zurückgekehrt. Auch im "Umbruchjahr" 2015 – von den acht Medaillengewinnern des Vorjahres starten nun sieben in der Altersklasse U21 – schneidet der NJV damit erfolgreich ab. Ein Nachbericht:
Die wenigsten dürften ihn auf dem Zettel gehabt haben: Völlig überraschend holte sich Mirko Buhr (BW Hollage) in der mit der 24 Startern besetzten Gewichtsklasse bis 50 Kilogramm die Silbermedaille. Er konnte sich als zweiter der Landesmeisterschaften und dritter der Norddeutschen Meisterschaften für die nationalen Titelkämpfe qualifizieren. Die „unerwartete Sensation“ des 16-jährigen begann am Samstag mit zwei schnellen Ippons gegen den Vizemeister der Süddeutschen Meisterschaften, Thomas Peter aus Bayern, und den Dritten der Südwestdeutschen Meisterschaften, Jonas Arnold aus Hessen. Seinen Kampf in Runde zwei gewann Mirko gerade einmal nach sechs Sekunden Kampfzeit – der schnellste Ippon des Tages, wofür er mit einem Sonderpreis belohnt wurde. Dass es nicht nur bei diesem Erfolg bleiben könnte, war auch nach dem Sieg über Bennet Pröhl, den Zweiten der DEM 2014, im Viertelfinale noch nicht allen bewusst. Den Starter von dem mit vier Titeln und drei dritten Plätzen im männlichen Bereich überaus erfolgreichen Brandenburger Landesverband konnte er nach 45 Sekunden mit einer Hebeltechnik bezwingen. Im Halbfinale wartete mit Daniel Vishnevskij der Vizemeister der Gruppe West. Diesen Kampf konnte Mirko Buhr mit zwei Waza-ari ebenfalls vorzeitig für sich entscheiden. Auch wenn es im Finale nicht für den ganz großen Triumph gereicht hat und Mirko sich dem Titelverteidiger Linus Zarse aus Potsdam geschlagen geben musste, war die Stimmung bei dem Kämpfer und seinen Hollager Trainern Christopher Bockholt und Tim Trappe ungetrübt: „Mirko hat den Tag seines Lebens erwischt“, wird letzterer in einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung zitiert.
Zwei Silbermedaillen gehen an die Crocodiles Osnabrück: Jana Gussenberg konnte sich in ihrem ersten U18-Jahr in der mit 23 Starterinnen ebenfalls sehr gut besetzen Gewichtsklasse bis 44 Kilogramm nach einem Freilos mit souveränen Ipponsiegen gegen die Siegerin der Mitteldeutschen Meisterschaften Vanessa Schindler (Sachsen) und die beiden bayrischen Starterinnen Jasmin Obergaßner und Nicole Herb bis in das Finale vorkämpfen. Dort musste sie sich, wie schon bei den Norddeutschen Meisterschaften, Mascha Ballhaus aus Schleswig Holstein nach voller Kampfzeit geschlagen geben. „Gold [war] greifbar“, meint Crocodiles-Coach Teja Almeyer richtigerweise, musste seine Kämpferin doch erst 30 Sekunden vor Schluss in Führung liegend die entscheidende Yukowertung gegen sich hinnehmen. In der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm belegte Greta Bolte den zweiten Platz – laut Ahlmeyer ein „sensationeller Erfolg“. Auf ihrem Weg in das Finale schlug die Osnabrückerin Helena Edel (Brandenburg), Gina Alcamo (Nordrhein-Westfalen) und Luise Rasch (Sachsen) mit Ippon. Gegen die Süddeutsche Meisterin Antonia Freytag vom TSV München-Großhadern behielt sie bis zum Schluss die Nerven und siegte mit Shidovorteil. Der Freude über den Einzug in das Finale tat auch die dortige Niederlage gegen die Europameisterschaftsanwärterin Tarah Stumpp aus Tübingen kein Abbruch.
Auch Sarah Ischt kann sich über eine Silbermedaille freuen. Die Sportlerin vom MTV Vorsfelde sieht ihr Losglück – als einzige der insgesamt neun Sportlerinnen in der Gewichtsklasse bis 40 Kilogramm rückte sie direkt in das Halbfinale vor – zwiespältig: „Auf der einen Seite freut man sich natürlich über so ein vorteilhaftes Los, auf der anderen Seite wünscht man sich, auf einer Deutschen Meisterschaft auch zu kämpfen. Ein oder zwei Mal schon vor dem Halbfinale auf der Tatami zu stehen, um erstmal richtig reinzukommen, wäre schön gewesen“, sagte die 14-Jährige. Doch auch ohne Vorrundenkämpfe gelang mit einem Sieg über Helen Schneider vom Landesverband Baden der Einzug in das Finale. Dort verlor sie zwar nach knapp drei Minuten gegen die gleichaltrige Potsdamerin Lena Sophie Grulich, zeigte aber, dass mit ihr auch in Zukunft auf nationaler Ebene zu rechnen ist. Ebenfalls in dieser Gewichtsklasse waren Lisa Hanke und Laura Nollau vertreten. Nachdem beide Starterinnen ihre Viertelfinals verloren geben mussten, trafen sie im Kampf um den Einzug in das kleine Finale aufeinander. Wie bei den vorherigen Meisterschaften auf Landes- und Gruppenebene hatte dabei die Göttingerin Lisa Hanke das bessere Ende für sich. Laura Nollau – sie hatte sich zuvor wie bei der Norddeutschen Meisterschaft gegen Sofia Ike aus Schleswig-Holstein durchgesetzt – platzierte sich damit auf Rang 7. Lisa Hanke verlor den Kampf um Platz 3 nach 2:54 Minuten mit Ippon und wurde somit Fünfte. Sie kann mit diesem Debüt in ihrer neuen Altersklasse sehr zufrieden sein.
Sich neben der Bronzemedaille auch über den Bundesadler für den Judoanzug freuen kann sich Thilo Assmann von Judo in Holle. Das neue Mitglied des nationalen Kaders konnte sich in der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm mit den Ipponsiegen gegen den Süddeutschen Meister Kim Ruf (Württemberg), den Dritten der Westdeutschen Meisterschaften Sebastian-Oliver Schulte ungefährdet durch die Vorrunde in das Halbfinale kämpfen. Dort stand er Lennart Behncke, seinem Dauerkonkurrenten, gegenüber. Wie schon bei den Gruppenmeisterschaften verlor er gegen den Schleswig-Holsteiner unglücklich und stand sodann im kleinen Finale gegen den Berliner Jonas Kunstmann. Von Beginn an konnte er diesen Kampf klar dominieren und nach 3:24 Minuten schließlich als Sieger die Matte verlassen. Ebenfalls von Judo in Holle waren Hanna Rollwage und Luka Fettköther am Start. Luka Fettköther konnte mit vier Siegen aus sechs Kämpfen auf sich aufmerksam machen und wurde erst im Kampf um den Einzug in das kleine Finale gestoppt. Er landete auf Platz 7. Für Hanna Rollwage lief es im ersten U18-Jahr mit Platz 5 sogar noch etwas besser: Nach schnellen Siegen in der Vorrunde musste sie sich im Halbfinale Maxime Brausewetter, Athletin am Olympiastützpunkt Leipzig, geschlagen geben. Einen Podestplatz verpasste sie nach einer knappen Niederlage gegen Ina Bauernfeind aus Bayern. Alle drei Holler Judoka starten am kommenden Wochenende beim European Judo Cup der U18 im türkischen Antalya.
Sich schlussendlich über Bronze sehr freuen konnte sich Hannah Deliu vom Judo-Team Hannover. Der Wettkampf der Titelverteidigerin begann mit einer Niederlage gegen Juliane Kreuter aus Berlin denkbar ungünstig: „Ich habe mit drei Shidos geführt und anstatt diese taktisch über die Zeit zu bringen, habe ich kurz vor Ende des Kampfes einen halbherzigen Wurfansatz gemacht, den meine Gegnerin für Yuko gegengedreht hat. Diesen Rückstand konnte ich nicht mehr aufholen“, berichtete die Hannoveranerin, die im Limit bis 57 Kilogramm startet, selbstkritisch. Mit ihrer Leistung in der Trostrunde – sie siegte gegen Leonie Nussbaum (Pfalz), Antonia Simon (Hessen), Sarah Hildebrand (Nordrhein-Westfalen) und Xenia Müge Coban (Baden) – zeigte sich die Sportlerin hingegen zufrieden. Im kleinen Finale stand sie dann erneut Juliane Kreuter gegenüber. Mit einem Ipponsieg nach noch nicht einmal einer Minute revanchierte sich Hannah Deliu für die Niederlage sechs Stunden zuvor und konnte somit auch in diesem Jahr eine Medaille bei einer Deutschen Meisterschaft mit nach Hause nehmen.
Mit Maike Wittekindt holte eine weitere NJV-Starterin in derselben Gewichtsklasse ebenfalls Bronze. Die Lauenauerin konnte sich nach einem Freilos mit kräftezehrenden Siegen gegen die Bundeskaderathletin Frederike Fiedel aus Thüringen und Sarah Hildebrandt aus Nordrhein-Westfalen bis in das Halbfinale vorkämpfen. Dort hielt sie gegen die Saarländerin Jill Trenz gut mit, hatte ihrerseits sogar einige Siegchancen, musste aber die Matte nach etwas mehr als der Hälfte der Kampfzeit nach einem Wurf verletzt verlassen. In der zweistündigen Pause zwischen Vor- und Finalrunde wurde die verletzte Schulter intensiv behandelt, sodass Maike im kleinen Finale gegen Franziska Vogl vom TSV Abensberg antreten konnte. Gegen die bayerische Kämpferin aus dem Bundeskader gelang ihr nach spannenden drei Minuten der entscheidende Wurf, welcher – verbunden mit einem Haltegriff – ebenfalls Platz 3 bedeutete.
Marie Kersting (Crocodiles Hildesheim) und Artur Rieb (Judo-Club Emden) platzierten sich bei den nationalen Titelkämpfen mit jeweils drei gewonnenen Kämpfen auf Rang 7.
Zahlreiche weitere Starter des NJV zeigten gute Leistungen und schieden häufig gegen spätere Medaillengewinner aus dem Wettkampf aus. Allen Teilnehmern und ihren Coaches herzlichen Glückwunsch für die gezeigten Leistungen!
Bericht: NJV-Medienteam (Christian Jelinsky)
Fotoss: BW Hollage Judoabteilung; Judo in Holle; Merle Wittekindt; Anna Lachetta
Niedersächsische Judoka holen 7 Medaillen und zahlreiche Platzierungen bei DEM U18