Die Judo-Welt zu Gast in Düsseldorf: Mit dem Judo Grand Prix fand vom 20.02. bis 22.02.2015 eine der hochkarätigsten Judoveranstaltungen im deutschsprachigen Raum statt. Rund 200 Helfer ließen das Event, an dem rund 550 Judoka aus 75 Nationen teilnahmen, zu einem vollen Erfolg werden. Aufgrund des Rekords an Startern musste der Beginn der Wettkämpfe an den drei Tagen sogar kurzfristig auf 09:30 Uhr vorverlegt werden. Deutsche Judoka überzeugten beim heimischen Grand Prix mit insgesamt sieben Medaillen. Bei der täglich stattfindenden Autogrammstunde zeigten sich die deutschen Stars im wahrsten Sinne des Wortes „anfassbar“. In der über die Tage mit 8000 Zuschauern gut gefüllten Mitsubishi Electric Halle waren an den drei Wettkampftagen auch zahlreiche niedersächsische Judo-Verrückte anwesend.
Unter den insgesamt 46 Athleten, die der DJB in das Rennen um die Medaillen geschickt hatte, befanden sich mit André Breitbarth (SFV Europa Braunschweig), Vivian Herrmann (Garbsener SC), Christophe Lambert (Judo in Holle), Dimitri Peters (Judo-Team Hannover), Lea Püschel (Judo Crocodiles Osnabrück) und Igor Wandtke (Judo-Team Hannover) auch sechs niedersächsische Kämpfer.
André Breitbarth ging am Sonntag in seiner Gewichtsklasse über 100 Kilogramm an den Start. Nach einem Freilos in der ersten Runde hatte er einen guten Start in das Turnier und besiegte Marius Paskevicius aus Litauen, Siebter der Weltmeisterschaft und Sieger des Grand Prix in der Türkei, mit Yuko für Fußfeger. Auch in der nächsten Runde behielt er gegen den nun für den Verein Judo in Holle in der 1. Bundesliga startenden Belgier Benjamin Harmegnies mit Waza-ari für De-ashi-barai und anschließendem Haltegriff die Oberhand. Spannend machte es André im Poolfinale gegen den Niederländer Roy Meyer. In Führung liegend musste er erst kurz vor Ende der regulären Kampfzeit den Ausgleich nach Strafen hinnehmen. Im folgenden Golden-Score-Kampf siegte André gegen seinen Kontrahenten über einen weiteren Shido. Im Halbfinale stand er dem Japaner Takeshi Ojitani gegenüber. Gegen den nun auf Platz 9 der Weltrangliste rangierenden Athleten verlor Breitbarth mit Ippon für Te-waza, hatte aber im Kampf um Platz 3 noch alle Chance auf eine Medaille bei seinem Heim-Grand Prix. Schlussendlich gelang es ihm aber nicht, den Israeli Or Sasson zu bezwingen, sodass nach der Niederlage mit Waza-ari am Ende der undankbare fünfte Platz blieb. „Ich habe es zum Schluss nur noch mit der ‚Brechstange‘ versucht und war nicht mehr mit dem Kopf da“, rekapitulierte der Athlet vom SFV Europa Braunschweig den Fight, zeigt sich aber ansonsten mit dem Wettkampf in Düsseldorf insgesamt zufrieden. Sich auf die nächsten Herausforderungen fokussierend stellte er fest, wieder ein Schritt vorangekommen zu sein und wichtige Punkte auf dem Weg nach Rio gesammelt zu haben.
In starker Verfassung präsentiert sich derzeit auch Vivian Herrmann. Ihr ist der Wechsel vom Junioren- in den Erwachsenenbereich optimal gelungen, wie der Gewinn der Deutschen Meisterschaft in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm im letzten Monat eindrucksvoll zeigt. Die Vize-Junioren-Europameisterin (2012) und WM-Dritte (2013 im Team, 2014 im Einzel) traf nach einem Freilos in Runde 1 auf Chinesin Junxia Yang. Die Sportlerin vom Garbsener SC ließ der Nummer 12 der Weltrangliste keine Chance und siegte nach 4:00 Minuten Kampfzeit mit Waza-ari. Ihren zweiten Kampf gegen Busra Katipoglu aus der Türkei konnte Vivan vorzeitig mit Ippon gewinnen, bevor ihre Erfolgsserie im Poolfinale durch die späteren Zweitplatzierte Munkhzaya Tsedevsuren aus der Mongolei gestoppt wurde. In diesem Kampf verletzte sich die Niedersächsin in Rückstand liegend kurz vor dem Ablauf der Kampfzeit am Knie, sodass für sie kein Start in der Trostrunde mehr möglich war. Unter dem Strich blieb somit Platz 7 für Vivian Herrmann und damit die ersten Weltranglistenpunkte. Schon am nächsten Wochenende sieht ihr Terminkalender einen Start bei den European Open in Prag vor. Wir drücken die Daumen, dass dieser durch die Verletzung nicht in Gefahr ist!
Für die Osnabrückerin Lea Püschel war es nach jüngsten Bronzemedaillenerfolgen bei den Deutschen Meisterschaften der Frauen in Bonn und bei den stark besetzen Belgian Ladies Open in Arlon der erste Einsatz bei einem Qualifikationsturnier für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro. In der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm erwischte sie mit der nun Achten der Weltrangliste und Dritten des Grand Slams in Russland, Chizuru Arai, ein schweres Los. Leider gelang es Lea nicht, sich gegen die später siegreiche Japanerin (sie besiegte auf ihrem Weg zum Titel mit Iljana Marzok und Szaundra Diedrich auch zwei weitere deutsche Starterinnen) durchzusetzen und war damit schon früh ausgeschieden.
Mit Platz 3 bei den jüngst stattgefundenen European Open in Rom hat sich der Hannoveraner Igor Wandtke in der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm nach einem Jahr verletzungsbedingter Pause wieder in der Weltspitze zurückgemeldet. Beim Heim-Grand Prix in Düsseldorf konnte er jedoch nicht an den Erfolg anknüpfen. In der ersten Runde wartete mit dem Südkoreaner Changrim An der Drittplatzierte des Grand Slams von Tokio. Gegen die Nummer 24 der Welt wurde Igor die geltende Kopfbrückeninterpretation zum Verhängnis, sodass sein Wettkampf schon nach der ersten Runde beendet war.
Keinen guten Tag erwischte auch Sportsoldat Dimitri Peters in der Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm. Der sich derzeit auf Platz 6 der Weltrangliste befindende Olympiadritte von London musste sich nach einem Freilos in der zweiten Runde dem zuletzt stark aufkämpfenden Guham Cho aus Südkorea geschlagen geben und konnte in Düsseldorf keine Punkte für die Qualifikation zu den Olympischen Spielen sammeln. Cho belegte nach den Siegen beim Grand Prix in Südkorea und dem Grand Slam in Slam in Japan in Düsseldorf den fünften Platz.
Ohne Platzierung blieb auch der Holler Bundesliga-Kämpfer Christophe Lambert. Der Olympia-Teilnehmer von 2012 konnte in der Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm zwar in seinem ersten Kampf gegen den Letten Aleksandr Marmeljuk, Zweiter der European Open in Spanien, gewinnen, scheiterte jedoch in der zweiten Runde gegen den 13. der Weltrangliste Yuya Yoshida aus Japan.
Angaben zu Platzierungen in der Weltrangliste mit Stand vom 24.02.2015
Bericht: NJV-Medienteam (Christian Jelinsky)
Fotos: [1] & [2]: moments of life (https://www.facebook.com/fotokunst.wesseling/info?tab=page_info), [3] & [4]: IJF Media by Zahonyi