Das war dringend nötig. Nach einer zweijährigen Medaillenflaute im Einzelwettbewerb – die letzte Podiumsplatzierung feierte er 2021 bei den Judo Masters in Doha – meldet sich Igor Wandtke genau rechtzeitig in der absoluten Weltspitze zurück.
Dabei erwischte der Hannoveraner mit Lübecker (Judo-)Wurzeln einen eher gemächlichen Start. Gegen den noch unbekannten Spanier Aranda (WRL #87) zögerte er die Entscheidung bis ins Golden Score hinaus, konnte sich dort aber nach einer Minute in der Verlängerung mit einem Ura-nage durchsetzen. Noch spannender wurde es gegen Emanuel Lombardo (WRL #11). Insgesamt acht Minuten Kampfzeit brauchte es, bis der Italiener dem Haltegriff des NJV-Kämpfers nicht mehr entkommen konnte. Im Poolfinale machte Igor Wandtke gegen den zweiten starken Italiener dagegen kurzen Prozess. Mit einem astreinen gestandenen Seoi-nage ebnete er sich nach nur 34 Sekunden gegen Giovanni Esposito (WRL #10) den Weg ins Halbfinale. Dort wartete kein geringerer als der amtierende mongolische Weltmeister der 73-Kilo-Kategorie: Tsogtbataar Tsend-Ochir. Von einer Unachtsamkeit und dem folgenden Waza-ari-Rückstand ließ sich der Niedersachse nicht unterkriegen. Nur kurze Zeit später erwischte er den Mongolen mit seinem Sumi-gaeshi – Ippon nach nur einer Minute! So kam es zu einer eher ungewöhnlichen Finalpaarung. Während häufig Osteuropäer und Asiaten die Medaillen unter sich auskämpfen, verwiesen Wandtke und der Schweizer Nils Stump den ein oder anderen Medaillenkandidaten auf die hinteren Plätze und zeigten dem israelischen Publikum ein ansehnliches Finale. Trotz 2:1 Shido-Führung hatte im Golden Score Nils Stump den längeren Atem und erwischte den Niedersachsen nach einem athletischen Spektakel mit Waza-ari. Dennoch – eine insgesamt hochklassige Performance macht Lust auf mehr und gibt einen ersten Fingerzeig in Richtung von Igor Wandtkes (möglichen) dritten Olympischen Spielen.
Auch Vereinskameradin Pauline Starke (-57 kg) verkaufte sich nicht schlecht, haderte jedoch mit der engen Regelauslegung des Schiedsgerichts. Nach zwei Siegen fand sie sich im Poolfinale gegen die Weltranglistenerste Christa Deguchi aus Kanada wieder. Eine Rettungsaktion nach dem Angriff ihrer Gegnerin wurde ihr schließlich zum Verhängnis. Die Referees sahen in der Fallbewegung ein inneres Fegen des Standbeins von hinten und verwiesen die Niedersächsin mit Hansokumake von der Matte. Weil diese Form der Disqualifikation als besonders schwerwiegend gewertet wird, wurde sie daraufhin aus der Liste gestrichen und hatte keine Chance mehr, sich in der Trostrunde weiter vorzukämpfen. Eine unglückliche Aktion, die einen guten Wettkampftag frühzeitig beendete.
Tim Gramkow (-81 kg) eröffnete den Grand Slam ebenfalls mit einem Auftaktsieg, musste sich in der zweiten Runde jedoch gegen den stark kämpfenden Portugiesen Fernando geschlagen geben.
Giovanna Scoccimarro erwischte mit etwas Lospech die Französin Margaux Pinot in der ersten Runde, lieferte sich zwar ein ausgeglichenes Match, schied aber im Golden Score gegen die spätere Siegerin der 70-Kilo-Klasse aus.