Lediglich die besten 36 Athlet*innen der Welt einer jeden Gewichtsklasse qualifizieren sich jedes Jahr für die prestigeträchtigen Judo Masters, dieses Jahr ausgetragen in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Vom NJV haben es vier Judoka geschafft, sich für die hochklassig besetzten Teilnehmerfelder zu empfehlen. An den Start gingen:
- Pauline Starke | -57 kg | WRL#12
- Anna Monta Olek | -78 kg| WRL#12
- Igor Wandtke | -73 kg | WRL#18
- Tim Gramkow | -81 kg | WRL#28
Giovanna Scoccimarro, Vize-Weltmeisterin dieses Jahres, wäre vom Papier her auch qualifiziert gewesen, musste ihren Trainingspartner*innen aufgrund ihrer Knieverletzung jedoch von Hannover aus die Daumen drücken.
Neben dem Ansehen bei den Masters locken vor allem die hohen Weltranglistenpunkte, die es bei einer Top-Platzierung zu gewinnen gibt. Nur Olympischen Spiele und Weltmeisterschaften werden höher gewertet. Umso mehr freute sich 57-Kilo-Athletin Pauline Starke, nachdem sie sich mit drei Siegen gegen Hanna Szasz (HUN), Kaja Kajzer (SLO) und Telma Monteiro (POR) im Halbfinale wiederfand. Gewonnen hatte sie im ersten Kampf nach gerade einmal 20 Sekunden mit Ippon für O-soto-gari, auch im darauffolgenden Kampf führte der Weg über das Außenbein der Gegnerin mit Waza-ari zum Erfolg, bevor sie das Match mit einer ihrer gefährlichsten Techniken - dem Ura-nage - und einem weiteren Waza-ari besiegelte. Gegen die portugiesische Europameisterin von 2021 hängte sie sich daraufhin geschickt zum Ko-uchi-gari ein und fand so ihren Weg in die Endkämpfe des Topturniers. Ob sie im Finale oder Kampf um Platz drei antreten würde, darüber entschied der Kampf gegen die viertgesetzte Jessica Klimkait. Hier hatte die Kanadierin jedoch die Nase vorn. Der gefährliche Morote-seoi-nage verbannte Pauline Starke in den Bronzefight. Es offenbarte sich ein hauchdünnes Duell gegen Judoweltstar Daria Bilodid. Die ehemalige Weltmeisterin der Gewichtsklasse -48 kg, die sich seit einiger Zeit mit Bravour auch zwei Kategorien höher behauptet, ging nach einem ausgeglichenen Kampfverlauf 90 Sekunden vor Schluss mit Waza-ari in Führung. Die Niedersächsin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, glich mit ihrem Ura-nage aus und hielt die Ukrainerin kurzzeitig sogar im Haltegriff. Bilodid befreite sich und es ging in die Verlängerung. Dort erwischte sie Pauline Starke kurzerhand mit ihren langen Beinen und einem sauberen O-uchi-gari zu Ippon. Somit verwies sie die NJV-Athletin auf den fünften Rang.
Trotzdem: Pauline Starke zeigte sich wiederholt in starker Verfassung, gewann einmal mehr gegen Gegnerinnen der absoluten Weltspitze und brachte sich erneut als heiße Anwärterin auf internationale Medaillen in Stellung. Auch im Olympiaranking machen sich die durch den fünften Platz verdienten 684 Punkte (zum Vergleich. Ein Europameistertitel gibt 700 Punkte) bemerkbar. Als 12. ist sie derzeit direkt für die Olympischen Spiele in Paris qualifiziert.
Die gleiche Mission (Punkte für die Olympiaqualifikation einfahren) verfolgten auch ihre Teamkolleg*innen an den darauffolgenden Tagen. Igor Wandtke stieg nach dreimonatiger Verletzungspause wieder ins Wettkampfgeschehen ein und behauptete sich mit einem Sieg gegen den Kasachen Shamshayev in der Gewichtsklasse -73 kg trotz Trainingsrückstand überraschend gut. Danach passte er jedoch, um nach einem fordernden ersten Kampf keinen Verletzungs-Rückfall zu riskieren. Zu diesem Zeitpunkt ist der Hannoveraner jedoch ebenfalls für die Pariser Spiele qualifiziert und greift in den kommenden Wochen weiter an, um seine dritte Olympiateilnahme nächstes Jahr abzusichern.
Tim Gramkow (-81 kg) und Anna Monta Olek (-78 kg) konnten in Budapest jedoch keine Plätze gut machen und schieden jeweils nach dem ersten Kampf aus. Beide plagen sich in ihren Gewichtsklassen mit starker deutscher Konkurrenz, die in der Weltrangliste derzeit höhere Positionen einnehmen. Da für die Olympischen Spiele nur ein*e Kämpfer*in pro Nation in Frage kommt, ist in den nächsten Wochen und Monaten „voller Angriff“ angesagt, um die Punktejagd voranzubringen und den Traum von den Olympischen Spielen aufrechtzuerhalten.
Wir drücken allen NJV-Athlet*innen dabei die Daumen!