30. Landesturnier der ID-Judoka in Braunschweig

Mit einem besonderen Jubiläum starteten die ID-Judoka in die neue Wettkampfsaison: Beim 30. NJV-Landesturnier in Braunschweig trafen 65 Athlet*innen aus drei Landesverbänden aufeinander. Neben spannenden Kämpfen und starken Leistungen stand auch ein historischer Meilenstein im Mittelpunkt – 40 Jahre ID-Judo beim Braunschweiger Judo Club.

Am 7. März starteten die Judoka mit Behinderungen in die Wettkampfsaison. Der Braunschweiger Judo Club hatte sich bereiterklärt, das Turnier in diesem Jahr zu übernehmen. Und nicht nur das: Das 30. NJV-Landesturnier markierte auch einen Meilenstein in der Geschichte des BJC. Vor 40 Jahren begann die systematische Arbeit der Braunschweiger im Bereich des ID-Judo, bzw. G-Judo, wie es sich damals noch nannte. Hierauf wies auch Martin Frey, Behindertensportreferent des NJV, hin, als er bei der Eröffnung das Wort bekam. In einer einleitenden Geschichte erzählte er, dass einst Honner Hornuß, langjähriger Präsident und nun Ehrenpräsident des BJC, durch einen Vortrag des Wolfsburger Judoka und Kinderarzt von Khosrow Amirpour auf die Vorteile des Judo für Menschen mit Behinderungen aufmerksam wurde und dies auch im BJC anbieten wollte. An einem dieser Trainingstage traf ein junger Bundesligakämpfer mit einiger Wettkampferfahrung auf einen der Teilnehmenden. Beide kamen ins Gespräch und der Wettkämpfer war fasziniert. Er stieg ins Training mit ein, übernahm einiges hier und da und arbeite sich auch im eigenen Studium mehr und mehr in das Thema ein. Am Ende konnte der NJV ihn als Lehrreferent gewinnen und in dieser Rolle gelang es ihm, mit einigen akquirierten Mitstreiter*innen, die Strukturen aufzubauen, die der NJV heute noch im ID-Judo kennt. Dieser junge Bundesligakämpfer war Martin von den Benken, langjährige Ausbildungsleitung und nun im Ruhestand Ehrenmitglied des NJV. 

Tolle Orga, spannende Kämpfe

Nach dieser Geschichte sollte das Turnier und die Wettkämpfe für die 65 Kämper*innen aus 15 Vereinen und drei Landesverbänden losgehen. Das Team um Johannes Rathgen, 1. Vizepräsident des Braunschweiger Judo Clubs, machte hier einen tollen Job! Alle Wettkämpfe konnten in der toll hergerichteten Halle problemlos und schnell abgehalten werden und auch für das leibliche Wohl war gesorgt worden. 

In den Wettkämpfen zeigten die Judoka ihr Können: Im ID-Judo wird nicht nur in Gewichts- sondern auch in der Wettkampfklasse unterschieden – und, da beim NJV-Landesturnier gewichtsnahe Pools gebildet wurden, gab es so sogar 20 Pools in verschiedene Gewichts- und Wettkampfklassen. 

In der Wettkampfklasse „Löwe“ konnte sich Hannes Tschugg vom ETV Hamburg im entscheidenden Kampf der WK 1 gegen Frank Heinemann vom Sport-Team Lüneburg durchsetzen. Mit einem satten Tani-otoshi überraschte der Hamburger den Niedersachsen und konnte so in dem 3er Pool den zweiten Sieg einfahren. 

In der Gruppe „Fliege“ kam es gleich zu zwei „internen Duellen“: Im 5er Pool der Leichtgewichte der WK 2 trafen je zwei Teilnehmende aus demselben Verein bzw. selben Verband aufeinander. Zum „Verbandsduell“ kam es zwischen unseren Gästen aus Berlin – Matas Strombergas vom Sportclub Charis 02/ Panke Schule traf auf Linus Bahlo vom TSV Spandau 1860. Beide starteten zum ersten Mal überhaupt bei einem Turnier. Am Ende sicherte sich Bahlo hier den Sieg. Mit Denis Partyka und Anastasio Manoli kam es zum Duell des Polizei SV Hannover, das am Ende Partyka für sich entschied und mit drei weiteren Siegen hier auch den Poolsieg erkämpfte. 

In der WK 3 der männlichen Halbschwergewichte konnte sich in der Gruppe „Hahn“ Hanke Diekmann von der SG Moordorf durchsetzen. Das packendste Duell lieferten sich in dieser Gruppe jedoch Christan Mietzner von der TSV Spandau 1860 und Eberhard Everding vom Braunschweiger Judo Club. Everding kontrollierte noch im Stand und drückte Mietzner zweifach zu Boden, allerdings ohne eine Wertung zu erzielen. Auch im Boden konnte er nicht lange genug festhalten. Eine gute Aktion von Mietzner brachte dann die Wende und bescherte ihm den Sieg. 

Ergebnisse männlich Wettkampfgruppe 1 und 2 sowie Wettkampfgruppe 3. 

Kein Weg vorbei an Sian Camp und Jasmin Rupprecht

Auch bei den Damen gab es spannende Kämpfe zu sehen: In der WK 1 zeigte Lokalmatadorin Sian Camp vom Braunschweiger Judo Club, warum sie eine der besten ID-Judoka des BJC ist. In der Gruppe „Eule“ ließ sie ihrer Kontrahentin Victoria Bach vom Sportclub Charis 02/ Panke-Schule keine Chance. Alle Kämpfe im Best-of-3 gingen an sie. 

In der WK 2 zeigte sich in der größte Frauengruppe „Katze“, dass kein Weg an Jasmin Rupprecht vom TC Hameln vorbeiführte. Sie konnte alle Kämpfe für sich entscheiden und gewann den Pool klar. Ann-Christin Waldmann vom Braunschweiger Judo Club wurde zweite und Parija Masuomi (ETV Hamburg) und Elena Goldschmidt (Judo Club Riestedt) teilten sich den 3. Platz. 

In der WK 3 kam es noch zu einer Kuriosität: Da sonst keine Gegnerinnen zur Verfügung standen, wurden die höheren Gewichte in der Gruppe „Biene“, in Absprache mit allen Vereinstrainer*innen, zusammengelegt. In einer deutlich höheren Spanne konnte sich die mittlere Gewichtsklasse durchsetzen und Andrea Hajir vom Judo-Club Osnabrück den Goldpokal vor Sybille Lau vom Sport-Team Lüneburg und Jessica Ulbrich vom TuS Sulingen holen.

Getragen vom tollen Kampfrichter-Team um den NJV Kampfrichterreferenten Dennis Herpel, in dem auch der NJV Vize-Präsident Jugend Thorben Schulz mit richtete und der Tischbesetzung des Ausrichters, verliefen die Kämpfe und die gesamte Veranstaltung kurzweilig.  Bei der Siegerehrung gab es noch ein Highlight: Christian Zeilermeier, der neben vielen weiteren Erfolgen sicher als Weltmeister im Para-Judo 1995 bekannt ist, übernahm die Vergabe der Medaillen bei der Siegerehrung. 

Ergebnisse weiblich Wettkampfgruppe 1, 2 und 3.

So geht's weiter

Das nächste große Highlight im ID-Judo ist nun die Internationale Deutsche Einzelmeisterschaft (IDEM), die in diesem Jahr am 9. Mai in Niedersachsen vom Polizei SV Hannover ausgetragen wird. Zur endgültigen Vorbereitung trifft sich der Landeskader der ID-Judoka nochmals am 21. März in Braunschweig und am 18. April in Hannover, um Erkenntnisse aus dem Landesturnier zu besprechen und in die finale Vorbereitung für die IDEM zu übernehmen.

Text: Martin Frey (NJV Behindertensportreferent)
Fotos: Jens Nabert